Wellen der Sehn-Sucht



Tosenende Wellen

Atlantik at it’s greatest.

Und ich am Strand.

Herrliches Wetter für Surfer… dacht ich, als Laie ohne Ahnung.


Doch zurück zum Anfang:


Ich war mit der Jugendgruppe auf einer Freizeit in Portugal und durfte dort tolle Tage mit meinem derzeitigen Verlobten verbringen, der mich trotz dieses Urlaubes dennoch geheiratet hatte (kleiner Scherz, ich war die liebste Verlobte, die man sich vorstellen konnte ;))

Eines Tages war er mit seinen Kumpels auf einer Kanutour unterwegs und ich hatte mich mit ein paar Freunden am Strand verabredet.

Es wehte die rote Flagge. Hätte ich doch besser gewusst, was diese Fahne und diese Farbe zu bedeuten hat. Weil ich eine Abkürzung zum Strand nahm, sah ich die Fahne nur von Ferne und alle weiteren Gedanken galten dem baldigen Vergnügen im verführerischen Wellengang. Wie ich es liebe, von ihnen hochgetragen zu werden, das Kitzeln im Bauch – schöner als in jeder Schiffsschaukel. Ich ging also ins Wasser. Ja, ich wunderte mich, warum es die anderen nicht taten, aber die meisten Mädchen in meinem Alter waren eher Strandlieger und keine Wasserratten.

Erste Warnung also unbedacht weggeworfen.

Ich lief lachend ins Wasser, die Wellen fegten mir gleich mal die Füße unter mir weg, ich platschte ins Wasser und lachte immer noch. Die Vorfreude und unbändige Sehn-Sucht über den baldigen Wellenritt war viel größer als die berechtigten Zweifel an meinem Vorhaben.

Die zweite Warnung flog in hohem Bogen über Bord.

Ich stürzte mich also in die Wellen und schwamm mit Leichtigkeit ein wenig ins Meer hinaus, denn die popeligen Wellen am Strand schienen zu harmlos zu sein, meine Sehn-Sucht, Abenteuer zu erleben war grenzenlos!

Somit war die dritte Warnung meines Inneren überstimmt und ich konnte mein Abenteuer endlich frei genießen. Die Sehn-Sucht war wirklich eine Sucht und hatte wieder einmal gewonnen!

Mein Glück hielt nicht lange. Die Wogen zogen mich immer weiter hinaus und meine Schwimmleistung artete in einen Wettkampf zwischen dem Atlantik und mir selbst aus.

Ich könnte Euch hier nichts mehr schreiben, wäre der Wettkampf normal und natürlich ausgegangen. Denn dann hätte der Atlantik gewonnen und ich wäre zur Wasserleiche mutiert.

Damit Ihr jetzt nicht im Cliffhanger verbleibt, erzähle ich mein Erlebnis bis zum Schluss:

Ich merkte langsam, wo meine Grenzen waren. Die Leute am Strand wurden kleiner und kleiner und manche winkten hektisch in Richtung Fahnenstange. Hören konnte ich sie natürlich nicht mehr. Der Atlantik stand auf „Vorsicht, Todeswelle“ und ich begriff es dann auch langsam. Ich konnte meines Erachtens relativ gut schwimmen und hatte somit wenig bis keine Angst, ich könnte untergehen. Meine eigene Kraft würde ja wohl ausreichen um…..doch dann begriff ich, dass ich hier gar nichts mehr unter Kontrolle hatte. Die Panik ergriff mich und ich ruderte mit viel Kraft und wenig Erfolg in Richtung Strand. Ich betete so dringend wie noch nie. Und wie immer, wenn das Töchterchen fast untergeht, kam die Hand des Vaters deutlich und rettend. Irgendwas zog mich Richtung Strand. Ich tat zwar noch so als würde ich schwimmen, aber ich merkte deutlich, dass hier nicht mehr meine Kraft am Werk war und sah den Strand näher kommen. Und wie das kleine Kind, das an der befahrenen Straße den Ball auf die andere Straßenseite gekickt hatte und nur ihn und nicht die vorbeifahrenden Autos im Fokus hat, ließ auch ich die Hand des Vaters wieder los und versuchte „den Rest vollends alleine zu schaffen“ … ich kann das!

Aus mir wurde ein Schnitzel a la Atlantik. Der Ozean schob eine große Welle, zog mich wieder aufs Meer raus, drückte mich herunter. Ich verlor die Orientierung völlig und wusste nicht mehr, wo oben, unten, vorne, hinten war. Ich betete erneut. Ich hatte richtig Angst um mein Leben, schon die ein oder andere Salzwasserladung intus und keinerlei Luft mehr in den Lungenflügeln.

„HERR, HILF!“

und da zog mich wieder etwas – dieses Mal völlig ohne eine Gefühl des eigenen Zutuns – und das Meer spuckte mich an den Strand. Es hatte die Eleganz einer Katze, die die Reste ihrer so eben verspeisten Maus wieder loswird.


>> Erst mal Luft holen. Dann merken, dass man wohl wie eine Kegelrobbe aussehen muss. Der Badeanzug voller Sand, die Haare salzig im Gesicht kleben. Noch nicht fassend, dass man diesen Horrortrip tatsächlich überlebt hat, schaufelt man seinem Gott unablässig dankend den Sand aus dem Badezeug und begibt sich mit zitternden Knien zurück zum bleich aussehenden Trupp Mädels zurück. Dass du da rausgekommen bist…. ein Wunder, das sah aber ganz schön knapp aus… Mann, mann, was du dich so alles traust, wo doch die Fahne klar für Badeverbot steht. <<

*hüstel*

Eigentlich könnte ich hier Schluss machen mit dieser Erfahrung. Ich glaube kaum, dass man hier von versteckten Parallelen zu unserem Leben reden muss.

Wie oft stehen rote Fahnen auf unseren Wegen, wie oft umgehen wir sie? Wie oft ignorieren, belächeln wir die roten Warnungen „tu das nicht“ … und gehen weiter unsere Wege und wir freuen uns über die Versuchung, die so süß auf uns zu warten scheint? Die Versuchung, die tolle Gefühle verspricht und noch mehr Spaß und Freude erwarten lässt. Wie gut wir uns fühlen werden und wie gut uns die Abwechslung tun wird. Wir beachten das eigene Gewissen nicht, das Bauchgefühl, das schon bis in unseren Kopf schreit, aber das Herz nicht erreichen kann. Wir gehen den Weg, obwohl wir eigentlich wissen müssten, dass er uns letztlich schädigen wird. Vielleicht haben wir Freunde, die uns auf dem Weg dorthin sogar noch Warnungen zurufen, aber wir haben auch ihre Ratschläge in den Wind geschossen und nur auf unsere Sehn-Sucht gehört.
Und dann kommen wir an im Auge des Sturms… in schöner, erholender Stille vielleicht oder auch mal im Zenit der Freude und des vermeintlichen Glücks.

Und dann brechen plötzlich und unerwartet die Wellen der Konsequenzen unseres Handelns über uns herein. Wir müssen atemlos zusehen, wie sich immer mehr unserer Kontrolle entzieht. Wir rudern in eigens gemachten Problemen hin und her und machen die ganze Sache damit noch viel schlimmer. Der sichere „Strand“ entfernt sich immer mehr aus unserer Sicht und die Wellen verdecken das einst so gottgefällige Leben, das wir mal hatten. Irgendwann haben wir ganz schnell atemlose Sequenzen, die uns ängstigen, uns zeigen, wie verloren wir doch sind.

In all dem ist einer die ganze Zeit mit „an Bord“.

Jesus.

Wir sehen und hören Ihn nicht.

Doch da ist Er in jedem Fall.

Und Er wartet.

Auf Dein Gebet.

Auf Deinen Hilfeschrei.

Auf’s Eingreifen-Dürfen.

Und wenn Dein Gebet kommt, greift Er ein. Es muss nicht immer so spektakulär ablaufen. Aber es kann. Und um wieviel würde man sich selbst bringen, wenn man es nicht ausprobiert, unseren Retter auch hier und jetzt schon wirken zu lassen?

Probiers aus. Jesus beim Wort zu nehmen, ist das, was Er sich schon ewig von Dir wünscht. Er wird Dich nicht warten lassen. Und wenn Er geholfen hat, gib Ihm die Ehre dafür!

„Vertraue auf mich, wenn Du in Not bist, dann will ich Dich erretten und Du sollst mir die Ehre geben“

(Psalm 50,15 Neues Leben-Bibelübersetzung)




Be blessed
Eure Betti

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